An dich.
Weißt du noch wie du warst?
Nicht als Mama. Nicht als Partnerin. Nicht als Tochter oder Schwester oder Kollegin.
Einfach du.
Die Person die Dinge gemocht hat. Die Vorlieben hatte. Die wusste was sie will – oder zumindest eine Ahnung davon hatte. Die abends nicht nur erschöpft ins Bett gefallen ist sondern manchmal auch aufgeregt. Wegen etwas. Wegen irgendwas das nur für sie war.
Kannst du dich noch erinnern?
Ich frage das nicht um dich traurig zu machen. Ich frage es weil ich glaube dass sehr viele von uns an dem Punkt stehen, an dem sie diese Frage nicht mehr beantworten können. Und weil das niemand ausspricht. Weil man das nicht sagt. Weil es sich undankbar anfühlt – ich hab doch alles, ich hab Kinder die ich liebe, was will ich denn noch?
Aber da ist diese leise, hartnäckige Frage. Wer bin ich eigentlich noch?
Der Moment wo es passiert ist
Es passiert nicht auf einmal. Das ist das Tückische daran.
Es gibt keinen dramatischen Moment wo du aufwachst und denkst: So, ab heute bin ich nicht mehr ich selbst. Es schleicht sich an. Ganz langsam. Über Monate. Über Jahre.
Zuerst verschiebst du kleine Dinge. Die Sporteinheit die du immer gemacht hast – naja, jetzt ist keine Zeit mehr dafür. Das Buch das du lesen wolltest – liegt seit acht Monaten auf dem Nachttisch. Der Kurs den du belegen wolltest – irgendwann vielleicht. Die Freundin die du vermisst – ihr schreibt euch manchmal noch, aber wirklich gesehen habt ihr euch nicht mehr.
Dann verschieben sich größere Dinge. Träume die du hattest. Ideen die du spannend fandest. Pläne die irgendwo in dir geschlummert haben. Die kommen immer seltener hoch. Und wenn sie kommen, schiebt du sie weg – nicht weil du sie nicht mehr willst, sondern weil du nicht mehr weißt ob du das Recht hast sie zu wollen.
Und dann eines Tages fragst dich jemand was du eigentlich magst.
Und du weißt es nicht mehr.
» Das ist kein Versagen. Das ist das Ergebnis von zu viel Geben ohne genug Zurückbekommen. «
Was Mutterschaft mit Identität macht
Niemand sagt dir das vorher. In keinem Buch. In keiner Geburtsvorbereitungsklasse. In keinem der gut gemeinten Ratschläge die du in der Schwangerschaft bekommen hast.
Niemand sagt dir: Mit dem Kind kommt nicht nur Liebe. Es kommt auch ein kompletter Identitätsumbau. Und der ist leise. Und er tut weh. Und er ist normal – aber er fühlt sich nicht normal an.
Weil Mutterschaft bedeutet: du bist jetzt jemandes alles. Und das ist wunderschön. Wirklich. Aber es bedeutet auch, dass du aufhörst dein eigenes alles zu sein. Dass deine Bedürfnisse nach hinten rücken – erst mal kurz, dann immer länger, dann irgendwann so weit hinten dass du sie selbst nicht mehr siehst.
Und gleichzeitig verändert sich wie andere dich sehen. Du bist jetzt Mama. Das ist eine Rolle. Eine wunderbare, wichtige, tiefe Rolle. Aber wenn diese Rolle die einzige wird die gesehen wird – wenn du nur noch Mama bist und nicht mehr die Person die du davor warst – dann verlierst du dich ein bisschen.
Nicht weil deine Kinder dir das antun. Sondern weil niemand daran erinnert dass du auch noch jemand bist. Auch du selbst nicht.
Die Schuldgefühle die dazukommen

Das Schlimmste an diesem Gefühl sind nicht das Gefühl selbst.
Das Schlimmste ist das was danach kommt.
Die Schuldgefühle.
Du denkst: Ich hab Kinder die ich über alles liebe. Ich hab ein Dach über dem Kopf. Andere haben es viel schwerer. Was beklage ich mich eigentlich?
Du denkst: Ich sollte dankbar sein. Ich bin dankbar. Aber trotzdem ist da dieses Gefühl. Und das macht mich zu einem schlechten Menschen oder zumindest zu einer schlechten Mama.
Du denkst: Wenn ich jetzt an mich denke, denke ich nicht an sie. Und das geht nicht. Das darf nicht sein.
Aber weißt du was?
Diese Gedanken lügen.
Dankbarkeit und Selbstverlust schließen sich nicht aus. Du kannst dein Kind bedingungslos lieben und gleichzeitig trauern um Teile von dir die gerade nicht gelebt werden. Das ist kein Widerspruch. Das ist menschlich.
Und eine Mama die sich selbst kennt, die weiß was sie braucht, die ab und zu auch für sich da ist – diese Mama ist nicht schlechter. Sie ist besser. Nicht perfekter. Aber echter. Präsenter. Mehr sie selbst.
Deine Kinder brauchen nicht eine Mama die sich aufopfert bis nichts mehr übrig ist. Sie brauchen eine Mama die auch lebt.
Wer du warst – und wer du noch bist
Ich möchte dich etwas fragen. Nicht zum Nachdenken für später. Jetzt. Lies es und lass die erste Antwort kommen die kommt, ohne sie wegzuschieben.
Was hast du früher gemacht wenn du Zeit hattest – nur für dich?
Was hat dich zum Lachen gebracht – nicht wegen der Kinder, nicht wegen jemand anderem, sondern einfach so?
Wofür hast du dich früher begeistert? Wofür hättest du Stunden vergessen können?
Welcher Satz über dich – nicht über deine Rolle als Mama – wäre vor zehn Jahren wahr gewesen?
Diese Antworten sind noch da. Vielleicht verstaubt. Vielleicht kaum erkennbar. Aber sie sind noch da. Du bist noch da.
Der Selbstverlust in der Mutterschaft bedeutet nicht dass du weg bist. Er bedeutet dass du gerade sehr weit hinten stehst. Hinter allen anderen. Hinter allem anderen.
Und manchmal braucht es jemanden – oder etwas – das dir sagt: Du darfst auch vorne stehen. Nicht immer. Nicht auf Kosten anderer. Aber manchmal. Öfter als du denkst.
Wenn du spürst dass du nicht mehr weißt wer du bist ohne deine Rolle als Mama – dann ist das der Moment für echte Arbeit an dir selbst. Nicht Selbstoptimierung. Nicht noch eine To-do-Liste. Sondern wirklich hinschauen. Die Wachstumsreise Mama ist ein 12-wöchiges Mentoring das genau dabei begleitet – raus aus dem Funktionieren, rein ins eigene Leben. Nicht weil du dich verändern musst. Sondern weil du dich wiederfinden darfst.
Der Unterschied zwischen verloren und vergessen
Es gibt etwas das ich wichtig finde zu sagen.
Du hast dich nicht verloren wie man etwas verliert das weg ist. Du hast dich vergessen. Das ist ein riesiger Unterschied.
Was verloren ist, findet man vielleicht nicht wieder. Was vergessen ist, ist noch da – es wartet nur darauf erinnert zu werden.
Du bist nicht weg. Du bist noch da. Unter allem. Unter den Rollen, den Erwartungen, den To-do-Listen, der Erschöpfung, den Schuldgefühlen.
Und der Weg zurück zu dir ist nicht ein großer dramatischer Schritt. Er ist klein. Er ist leise. Er fängt mit einer Frage an – der Frage die du vielleicht schon gestellt hast als du diesen Artikel angeklickt hast.
Wer war ich eigentlich, bevor ich Mama wurde?
Und dann – noch wichtiger: Wer will ich sein, jetzt wo ich es bin?
Nicht statt Mama. Nicht anstelle von allem was du gibst.
Sondern zusätzlich. Auch. Gleichzeitig.
Du darfst beides sein.
Was der erste Schritt ist

Der erste Schritt ist nicht groß. Er muss es nicht sein.
Er ist: innehalten. Einmal. Kurz.
Und fragen: Was brauche ich gerade? Nicht was brauchen die anderen. Was brauche ich.
Und dann – das ist der schwierige Teil – es ernst nehmen. Die Antwort. Auch wenn sie klein klingt. Auch wenn du denkst dass du keine Zeit dafür hast. Auch wenn sich das Schuldgefühl sofort meldet.
Du bist nicht weniger Mama wenn du auch du bist.
Du bist mehr.
Mehr präsent. Mehr echt. Mehr da – für sie, und für dich.
Und irgendwann – nicht sofort, aber irgendwann – wirst du wieder wissen wer du bist. Nicht nur als Mama. Sondern als Mensch. Als Frau. Als die Person die du warst bevor – und die du immer noch bist.
Sie wartet auf dich.
Kennst du dieses Gefühl? Schreib mir in die Kommentare – ich lese wirklich alles und ich antworte.
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Weil niemand es dir sagt – sage ich es dir
Es gibt diesen gesellschaftlichen Mythos der perfekten Mama. Die aufopferungsvolle, die immer da ist, die sich selbst zurückstellt weil das Liebe bedeutet.
Das ist gelogen.
Nicht böswillig gelogen. Aber es ist ein Bild das uns schadet. Das uns glauben lässt dass wir weniger wert sind als die Bedürfnisse anderer. Dass unsere eigene Erschöpfung Schwäche ist. Dass das Vermissen von uns selbst Undankbarkeit bedeutet.
Es bedeutet nichts davon.
Es bedeutet dass du ein Mensch bist. Mit eigenen Bedürfnissen, eigenen Wünschen, einer eigenen Geschichte die nicht mit der Mutterschaft aufgehört hat. Es bedeutet dass du jemand bist der Raum braucht um zu atmen – nicht nur für andere zu funktionieren.
Und je mehr du das annimmst – je mehr du dir erlaubst auch du zu sein – desto leichter wird das Mama-Sein. Nicht einfacher. Aber leichter. Weil du nicht mehr gegen dich kämpfst. Weil du nicht mehr versuchst etwas zu geben das du selbst nicht hast.
Du kannst nicht aus einem leeren Glas einschenken. Das hast du schon tausendmal gehört. Aber hast du es schon einmal wirklich geglaubt?
Heute darf das der Anfang sein.
Nicht groß. Nicht dramatisch.
Einfach: Ich bin auch noch hier. Und das zählt.





